Raufasertapeten Generation im Exil

by taxamendosa

Die Metapher von je her:

„Wir” als Sklaven gegen “die Welt” die immer komplexer wird. Ich kann diesen Scheißdreck, wirklich nicht mehr ertragen. Die Welt (bitte beachten Sie den Terminus, als vorsintflutlichen Begriff) wird nicht komplexer, sie “ist” komplex. Das begreifen wir erst heute. Die Öffentlichkeit ist kein persönlicher Rückzugsort. Die Berichterstattung, erbricht Bahnen der Erstattungen vor sich und wir dürfen es lesen und unsere Gedanken von der vielseitigen Fragwürdigkeit des Zeitgeschehens – von dem wir umschlossen sind -, besudeln lassen. Und nirgendwo finden wir den Knopf den wir nur drücken müssen, um abzuschalten. Deshalb drücken viele irgendwann auf irgendeinen Knopf, den sie für den Reset-Knopf halten und schießen sich ab. Dieses umzingelt sein, dieses auf den nächten willigen Verfolger warten, treibt einige geradewegs dazu an, sich abseits der Blicke von Außen, der Unterstützer und Dienstleister denen man auf dem Leim geht und von denen man im überlebenswichtiger Abhängigkeit geraten, sich ein neues Image auflegt, das Rouge auf den Wangen noch deftiger, so nur Niemand die Idee nacheifert: Die Rolle verdient keinen Darsteller. Leider ist das was durchdringt, was von all dem Zirkus übrigbleibt, die Erkenntnis: Die Maske allein, macht dich zu keinem anderen, Du brauchst eine Aufhängung, du muss durch ihre Schlitze für Augen, Nase, und Mund, etwas von der umliegenden Welt aufnehmen, wenn es nur Licht und Sauerstoff ist. Sensible Menschen sehen, hören oder lesen heraus. Mag man sich noch so großartig verkaufen. Grundskepsis ist nicht käuflich. Nur Grundzüge, können als Anleihen dienen. Man kann die Fältchen straffen, man kann eine eng sitzende Hose weiten, „man trägt sie weiter“ solange bis sie passt. Aber an einigen Stellen wird der Stoff dünner, mit der Zeit. Und irgendwann ist da ein Loch. Es ist nicht in jeder Beziehung Elastan verwoben, dass wir den Glauben, der unserer Gegenwart vorauseilt, ungestraft vernachlässigen können, solange es uns beliebt. Es werden andere da sein, es durchschauen und dann wird die Maske transparent, ihre Aufhängung bricht und die Schlitze verwachsen mit dem Rest zu einer einzigen Fläche. Es ist geschehen. Überforderung als Prinzip der Selbstaufgabe. Habt Ihr ja schön hinbekommen, danke an die Journalisten des letzten Jahrhunderts. Scheert euch weg! In jeder Beobachtung der Zustände dürfen wie niemals vergessen, dass es ein Gerücht ist, die Geschichte müsse sich wiederholen. Und doch wird so getan, als sei es Gesetz diese Regel zu missachten.

Die Berichterstattung um Karl-Theodor zu Guttenberg

interessiert mich nicht, weil mich seine Person nicht interessiert. Er verkörpert das Nichtvorhandensein eines Ideals, dass ich von der Mittelschicht – die gern Oberschicht wäre-, gespiegelt sehe. Ich finde es nicht tragisch, dass diese Mittelschicht wegbröckelt, wie man es seit 10 Jahren erzählt bekommt, ich begreife dieses wegbröckeln als Zustand der Ablehnung einer bürgerlichen Moral, die sich jetzt doppelt sieht und daher keinem Weg mehr folgt, der ihre Existent weiterhin, innerhalb dieser Gesellschaft legitimiert. Sie sind das, auf was sie sich jahrzehntelang haben runterreduzieren lassen. „Der Steuerzahler.“ Als nicht mehr und nicht weniger begreifen sie sich. Sie sind das Übel, dass Leute wie Karl-Theodor zu Guttenberg erst hervor und groß gemacht haben. Denn sie tragen die Verlogenheit, die dummdreiste Arroganz und den modernen Antiintellektualismus in sich, der heute das gesamtgesellschaftliche Klima verseucht. Es trieft aus jeder Faser ihres Körpers. Es trägt den gleichen Geruch wie: „Davon haben wir nichts gewusst“. Erinnern Sie sich? Das solchen Existenzen heute Aufmerksamkeit zu Teil wird, vor allen anderen die es verdient hätten, verlangt nach einer Gegenströmung. Diese Gegenströmung gibt es, aber sie findet keinen ernstzunehmenden Anklang, weil sie an ihrer Haltung nichts verdienen kann und deshalb, gibt es sie auch nur als Idee. Wirklich kritische Stimmen, werden heute nicht mehr Mundtot gemacht. Sie werden subtil ignoriert und kommen bei den Tagesdebatten, beispielsweise im Öffendlich-Rechtlichen-Fernsehen nur noch als Sidekick, oder als Gimmick zu Wort. Der wirkliche Intellektuelle wird zum Clown degradiert, man setzt ihn in eine Runde von Psychopathen, lässt ihn nur gelegentlich zu Wort kommen und rangiert ihn auf dem Präsentierteller des Wohlmeinenden aus. Er ist in seiner Rolle gezwungen zu allem eine Meinung zu haben, eine die sich von allen anderen in Grundzügen unterschiedet, die so fern ab der konstruierten Realität der Massen scheint, dass man sie ignorieren kann. Vereinzelt sind sie noch da, die Intellektuellen, aber sie haben verlernt mit der Faust auf den Tisch zu hauen, sich in Debatten einzumischen. Vielleicht auch weil viele von ihnen nicht mehr folgen können oder vielleicht einfach, weil es ihnen zu dumm geworden ist, den Kasper zu spielen. Aber ihr Rückzug führt dazu, dass sie aus dem Fokus verschwinden, sie werden nur noch von denen wahrgenommen, die auf ihre Meinung fern ab des Massengeschehens, Wert legen. Ken Jebsen ist so ein Fall, der kürzlich erst von seinem Arbeitgeber des Platzes verwiesen wurde, weil er nicht mehr ins Bild des austauschbaren Radiosenders passte. Er benennt dieses Vorgehen: Das Dilemma der Gegenwart.

Slavoj Žižek ist der Meinung der Philosoph ist jetzt, mehr den je, die wichtigste Figur. Und damit liegt er richtig. Sie sind es auf die wir angewiesen sind. Die wir raus locken müssen, aus den Universitäten und den Türmen von Elfen flankiert. Vielleicht sind sie die einzigen, die in einer Welt vollgestopft, mit Halb-wissenden Juristen und Betriebswirtschaftlern, die tagtäglich unser Leben zur Hölle machen (von Neurosen und Persönlichkeitsstörungen verseuchten Irren), die eine Meinungsstärke an den Tag legen, bei denen eine zu große Bereitschaft zur Ergebenheit, vorliegt. Den Wert von etwas begreifen die nicht, die am Anfang stehen und das Kaugummi kauen, sondern jene, die den Stickstoff in der Blase dulden. Die Dummheit des modernen Menschen, ist unantastbar geworden.

Finden Sie den Fehler im System, aber lassen Sie sich nicht hineinziehen in die Maschine, dessen Bedienung irgendwann so pervers wird, dass die eigene Selbstachtung an den Märkten der Welt verzockt wird. Zum Sparpreis, zwischen zwei Buchdeckeln.