it’s the beat to keep, it’s the beat of the heart, it’s being beat
by taxamendosa
“Jazz ist nicht tot, er riecht nur komisch.” Ist eine Aussage Frank Zappas, die ich so nicht unterschreiben aber insgeheim weit reichend abnicken müsste, wenn mein Faible für die Improvisierte Musik nicht so stark wäre. Mir ist dem letzt erst aufgefallen, wie wenig Anklang diese alte, sich aber immer frisch anfühlende Musik bei meiner Generation findet. An meinem Anblick in einem in die Jahre gekommenen Publikum, beim aufsuchen von Theater, Opern oder Museums Besuchen habe ich mich vortrefflich gewöhnt auch daran, dass ich mit zu den jüngsten im Publikum gehöre, was aber kein Dauerzustand sein darf. Und wenn ich mal jemanden meines Alters dort begegne ist der erste Eindruck auch immer gleich: Tochter/Sohn aus guten Hause. Nix mit Proletariat. Ich finde die Anwesenheit von Gleichaltrigen eh meist unangenehm, weil ich selten etwas mit ihnen zu konversieren weiß. Ich interessiere mich nicht, für das was sie im Fernsehen anschauen, oder hören, sie kennen aber auch nichts von den Dingen, die ich bevorzuge. Es endet meist in einer kurzen Erwähnung dieses oder jenes Films oder Theaterstücks, dass irritierende Blicke hervorruft und eine Erläuterung oder anschleißende Unterhaltung, eh unnötig macht. Ich will ja, so ist es nicht, aber sie wollen nicht. “Kenn ich nicht, esse ich nicht.” Und da sind sie zumindest intellektuell dem äußern Erscheinungsbild des Publikums von oben genannten Veranstaltungen gleichwürdig, auch wenn mein Eindruck eher in die Richtung geht, dass mit zunehmenden Alter sich eine gewisse intellektueller Reife einzustellen hat, da eine vermeintliche Selektion unabdingbar wird um Qualität von Quantität zu unterscheiden um sich selbst weiter zu entwickeln, die bei jüngeren Menschen, mit nur allgemein ausgeprägten Interesse, so noch nicht vorhanden sein kann.
Im allgemeinen Bewusstsein von Jugendlichen, ohne frühkindliche Prägung und Einflussnahme aus Schule und Elternhaus so glaube ich, ist es fast unmöglich – wenn der Zufall da nicht einen Hebel umlegt-, mit dieser Musik in Berührung zu kommen um sie zu verinnerlichen, lieben und schätzen zu lernen. Nicht zuletzt weil jede Mode von der eigenen PeerGroup mitgetragen wird, so dass es schwer ist sich mit Elementen zu Identifizieren, die entweder von der eigenen Kreiszugehörigkeit abgelehnt, oder ignoriert wird. Klar, wir haben heute das Internet und Youtube, Myspace, Facebook grooveshark etc…, aber wenn Du nie von Miles Davis, Charlie Parker, oder Duke Ellington gehört hast und niemanden kennst, der dich mit ihnen bekannt macht, wirst Du vielleicht nie von ihnen hören. Auf Twitter ist der Anteil an Jazz Musikern im Verhältnis zu Pop und Rock Künstler vergleichsweise spärlich, vielleicht auch weil die Banalität der Kommunikation über dieses Medium einen Freund von guten Gedanken, nicht gerade in Scharen anzieht. Aber daran ist ein Sinnbild schuld, dass sich auch aus Unkenntnis speist. Wenn die intelligenten Leute wegbleiben, wird es auch nicht spannender.
Nicht mal ein großes Label wie das werträchtige ECM befindet es für notwenig, sich dort zu produzieren. ECM hat zwar einen Accound, aber lässt ihn brach liegen. Schade. Jazzecho dagegen, ist präsent. Ein positiver Umstand.
Jazz bedeutet für mich, die Freiheit sich an Themen heranzuwagen, von denen man bisher fern ab gelebt hat. Jazz bedeutet die Freiheit, sich austoben. Jazz ist reine Poesie, die mit der Konservierung des innersten lebendigsten, emotionalsten Moments, den man so von sich bisher nicht kannte und vielleicht verdrängt hat, einhergeht.
Ich bin mit 15, auf Jazz durch das CD Regal in der Stadtbücherei meiner Heimstadt, aufmerksam geworden. Es war zwar gerade einmal 2 Meter lang und besaß nur vier Reihen auf zwei Seiten, aber das reichte um einen Einstieg zu finden. Ich war damals noch oft in der Bücherei, die direkt an der Ruhr gelegen mit ihren riesigen Fenstern und immer etwas gelangweilten Mitarbeitern, Ruhe und Zuflucht bot. Ich lieh dort viel aus, Bücher aber meist CDs, denn dafür fehlte mir das Geld. Wir hatten kaum Geld und irgendwie, musste ich meine Obsession befriedigen. Internet und dergleichen war bei meiner Mutter verpönt, aber ich hatte damals auch noch nicht das Bedürfnis, mich mit dem Internet auseinander zu setzten, dass folgte erst sehr spät, nach meinen häußlichen Auszug. Ich weiß noch, wie ich eines Tages am Abend mit meinem Stoffbeutel voll gestopft mit CDs nach Hause kam, und meine Mutter in der Tasche rumkramte da sie dachte, ich hätte noch etwas eingekauft. Sie holte eine große schwere 10-CD Box hervor, auf dem sie Duke Ellington angrinste. Sie kam in mein Zimmer stelle mir die Box auf den Tisch, verzog eine Augenbraue und sagte: „Ach Duke Ellington… den kenn ich. Das ist nichts für dich, dass ist Jazz, das wird Dir nicht gefallen.“ Ich probiere es mal aus sagte ich und sie ging wieder. Zwei Wochen später, kam sie einmal in mein Zimmer, genervt: „Kannst Du nicht mal was anderes anmachen, als dieses Gedudel? Die Schmitz (the Smiths) fand ich besser.“ Meine Mutter beschäftigte sich immer mit den Dingen, die ich auch mochte und fand an vielem gefallen. Nur Jazz ging ihr ab.
Die ersten Jazz Alben die ich mir bewusst angehört habe, waren Nora Jones damals gerade erschiendes Album „Come away with me“ das ich über drei Monate hinweg jede Nacht, den ganzen Winter durch hörte. Duke Ellingtons „Jungle Nights in Harlem“, besonders das Stück „Haunted Nights“ hat es mir hierbei besonders angetan, dass wie das sehnsuchtsvolle Stöhnen, hart arbeitender Menschen klingt, die erst in der Nacht, bei einem Bier oder Snaps die Ruhe finden, ein paar Minuten für sich zu sein. Sowie den Soundtrack zum Film: „Forrester – Gefunden! (Finding Forrester)“ mit Sean Connery, der dort einen alten, einsamen Schriftsteller aus der Bronx NYC spielt, der von einem schwarzen begabten Jungen aus seinem Alltagtrott herausgerissen wird und sich ihm annimmt. Eine wundervolle Story vom Meister und sein Schüler, mit Anklängen an J.D. Salingers Leben.
Über den Jazz fand ich auch zu den Beatniks und der Literatur von Allan Ginsberg, Jack Kerouac, Michael McClure und Kenneth Rexroth, die fest mit dem Bebop verschmolzen waren. Charlie Parker wäre hierbei zu erwähnen, der meine uneingeschränkte Zuneigung hat und mir bisher schon mehrmals, dass Leben gerettet hat.

“…and everything is going to the beat – It’s the beat generation, it be-at, it’s the beat to keep, it’s the beat of the heart, it’s being beat and down in the world and like old-time low-down and like in ancient civilizations the slave boatmen rowing galleys to a beat and servants spinning pottery to a beat…” – Jack Kerouac
Ich will ja nicht jammern, jeder soll den Nischen verhaftet bleiben, in den er sich am besten genährt fühlt, aber dieses Nischentum, führt nicht gerade zum interdisziplinären Austausch, der dringend notwendig ist, da sich nicht nur im Jazz, sondern allgemein in U , E und F-Musik in die letzten 20 Jahren, keine gravierenden Entwicklungen mehr ergeben haben. Zumindest keine mit revolutionärem Charakter. Aber vielleicht ist das auch gar nicht mehr nötig. Vielleicht erwarte ich da auch zu viel, wenn die immer gleichen Bands/Künstler mit dem immer gleichen Sound, der letzten 40 Jahre aufwarten. Mashup ist eine Möglichkeit unbekanntes, mit bekannten zu vermischen und mit diesem Bastard dann Leute. auch auf andere Sphären, aufmerksamkeit werden zu lassen. Der Zeitgeist selbst kennt keinen festen Nenner mehr. Das macht Hoffnung. Und der nächste Hype ist vielleicht auch gar nicht mehr so weit entfernt.
Was Air-Play angeht, besteht keine Sorge. Ich habe mir unten mal die Mühe gemacht eine paar Programmschwerpunkte, verschiedener deutscher und schweizer Sender aufzulisten, in der man sich beliebig dem Jazz nähern kann, um seinen Horizont zu erweitern. Da ist für jeden etwas dabei.
Ich weiß natürlich auch, dass es viele Menschen da draußen gibt, die das hier lesen und sich vielleicht denken: „Wovon redet der Kerl? Ich liebe Jazz! Ich spiele selber Jazz und alle meine Freunde ebenfalls.“ Klar, Euch gibt es, aber eben nicht in sehr großer Anzahl. Und ich bin Euch leider auch noch nicht begegnet. Aber lasst mich wissen wo Ihr rumschwirrt, dann komme ich Euch mal besuchen.
Programmschwerpunkte zum Thema Jazz:
JAZZ LIVE
montags
21.05-22.00h
ON STAGE
freitags
21.05-22.00h
JAZZFACTS
freitags
22.05-22.50h*
KLANGHORIZONTE
montags
1.05-2.00h
MILESTONES
dienstags
1.05-2.00h
Schweizer Radio DRS2
Jazz Collection
Dienstag 20.00h
Samstag 22.00
NDR Kultur
Klassik trifft Jazz
“Willemsen legt auf …” immer am Mittwoch um 9.20 Uhr und als Wiederholung am Sonnabend um 14.20 Uhr im Tagesprogramm von NDR Kultur.
Podcast von den Herausgebern des JAZZthing Magazins: mit eigenem TV-Video Kanal auf der Webseite
SWR2
NOWJazz
Do + Fr, 23.03 bis 24.00h [Danke an mr.boredom]

Freunde von mir schwören auf die NowJazz-Sendungen auf SWR2:
http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/jazz/-/id=659242/1snziau/index.html
Oh schau an, die kannte ich bisher garnicht. Nehm ich mal mit auf.